Physiotherapeutin Merle Bardenhagen
Nein, neu ist die Idee des Sportkaugummis eigentlich nicht – zumindest nicht in den USA. Dort gibt es sie seit über 30 Jahren. In Europa aber sind Sportkaugummis nahezu unbekannt. Wie schmecken sie, was bewirken sie im Sport und was ist der Unterschied zu herkömmlichen Kaugummis? Wir haben das führende Produkt aus den USA getestet.
Auf der diesjährigen ISPO (Internationale Sportartikelmesse in München) hat der Marktführer für Sportkaugummis, Firma MUELLER Sports Medicine USA, sein Produkt „Quench Gum“ offiziell für den Europäischen Markt präsentiert. Jede Menge berühmte Sportler und Teams standen und stehen für „Quench Gum“ Pate. Ließt man die Referenzliste fällt aber auf, dass auch Reha-Zentren und sogar Krankenhäuser das Produkt offensichtlich verwenden. Wie kommt ein Kaugummi ins Krankenhaus und müssen Sportler fürchten mit Quench Gum eine verbotene Substanz (Doping) zu sich zu nehmen ? Aber dazu später mehr.
Der erste Geschmackseindruck:
Wir sind überrascht. Die kleinen rechteckigen Dinger geben wirklich sehr viel Geschmack ab. Sehr fruchtig und ein wenig sauer schmecken sie. Die Folge: Die Speichelproduktion im Mund läuft auf Hochtouren. Aber – nach wenigen Minuten lässt die Wirkung nach und kurze Zeit später ist aus dem Sportkaugummi ein ganz gewöhnliches Kaugummi geworden. Fazit: Uns schmeckt Quench Gum. Es ist irgendwie anders als herkömmlicher Kaugummi, aber das Geschmackserlebnis könnte gerne ein wenig länger anhalten. Jetzt wollen wir es genau wissen und fragen jemanden der es wissen muss. Fridtjof Warncke, Geschäftsführer der App GmbH & Co KG ist Importeur des Kaugummis und gleichzeitig Handelspartner von MUELLER Sports Medicine in Deutschland.
Merle Bardenhagen: Herr Warncke, Sie kauen gar kein Kaugummi? Mögen Sie Quench Gum nicht?
Fridtjof Warncke: (lacht) Doch, gerne sogar, obwohl ich gar kein klassischer Kaugummi-Kauer bin. Quench Gum ist aber auch gar nicht für „Langzeit-Kauer“ konzipiert, sondern für den schnellen Geschmacks-„Kick“ insbesondere im Sport oder im aktiven Freizeitbereich.
Merle Bardenhagen: Aber besonders lange hält der „Kick“ ja nicht an.
Fridtjof Warncke: Und das ist auch gut so. Sportkaugummis erfüllen einen anderen Zweck. Natürlich müssen sie schmecken, aber gleichzeitig auch den akuten Durst löschen bzw. die Speichelproduktion anregen. Die Inhaltsstoffe müssen so bemessen sein, dass der Sportler keinen „Sauer-Schock“ erfährt und die Speichelproduktion nicht zu stark angeregt wird. Quench Gum hat hier einen, wie ich finde, sehr guten Mittelwert hinbekommen.
Merle Bardenhagen: Sie sprechen Sportler an, aber auch in Krankenhäusern und Reha-Zentren wird der Kaugummi verwendet? Sind da vielleicht medizinische Inhaltsstoffe enthalten oder besteht die Gefahr des Dopings?
Fridtjof Warncke: Das Quench Gum in Krankenhäusern verwendet wird, hat uns zunächst auch überrascht. Die Erklärung ist aber relativ einfach. Nach bestimmten Operationen, während Behandlungen oder Therapien müssen Patienten genau auf ihren Flüssigkeitsspiegel achten. Sie dürfen nicht zu viel oder zu wenig Trinken. Quench Gum kann hier helfen, das Durstgefühl und das unangenehme Gefühl eines trockenen Mund zu lindern.
Und zum Thema Doping kann man ganz beruhigt sein. Quench Gum hat nichts mit Doping zu tun und enthält keine Inhaltsstoffe, die irgendwo auf einer Dopingliste stehen.
Merle Bardenhagen: Und was ist nun der konkreten Nutzen von Sportkaugummi, wenn es keine „belebenden“ Inhaltsstoffe“ hat?
Fridtjof Warncke: Sportkaugummis haben eigentlich drei Funktionen:
Zunächst, es muss dem Sportler schmecken. Untersuchungen haben ergeben, dass Sportler besondere „Geschmackserwartungen“ haben. Isotonische Getränke mit Schokoladengeschmack haben sich nicht durchgesetzt, aber fruchtige und herbe Geschmäcker. Quench Gum ist, so kann man glaube ich sagen, extrem fruchtig und trifft damit den Geschmack vieler Sportler.
Zweitens: Während des Wettkampfes muss jeder Sportler viel trinken. Aber nicht in jeder Situation hat der Sportler sofort ein Getränk zur Verfügung. Denken Sie an Langstreckenläufer, Bergsteigen, Radfahren, Skifahren oder auch an Fußball. Quench Gum ersetzt keinen Flüssigkeitsverlust, macht aber die Pause bis zum nächsten Trinken erträglicher, da die Speichelproduktion ordentlich angekurbelt wird.
Drittens ist Kaugummi kauen im Sport sehr weit verbreitet. Das hat ganz unterschiedliche Ursachen. Manche Athleten beruhigt das Kauen, andere meinen, Kaugummi kauen steigert die Konzentrationsfähigkeit. Welche Gründe es auch gibt, mit Quench Gum hat der Sportler eben mehr als nur ein Kaugummi.
Merle Bardenhagen: Wie viel Kalorien und welche Nährwerte hat der Kaugummi?
Fridtjof Warncke: Das in Europa vorgestellte Quench Gum ist zucker- und fettfrei. Quench Gum besteht ganz überwiegende aus Kohlehydraten. Ganz interessant ist, dass eine geringe Mengen an Kaliumchlorid (Salz) im Kaugummi enthalten ist, was für den Mineralhaushalt des Sportlers nicht unwichtig ist. Und was die Kalorienmenge angeht braucht sich der Sportler keine Gedanken machen. Eine Packung mit 12 Kaugummis hat grade mal 28 kcal.
Unser persönliches Fazit:
Sportkaugummis sind eigentlich ganz normale Kaugummis, allerdings mit einem etwas außergewöhnlichem Geschmack. Die enorme Verbreitung im US-Sport scheint zu belegen, dass Sportler diesen Geschmack und die „durstlöschende Wirkung“ mögen. Aus medizinischer Sicht (Doping) spricht nichts gegen das Kaugummi.
Ob sich Sportkaugummis in Deutschland durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Als Zielgruppe hat der Hersteller jedenfalls nicht nur den Sportler im Auge, denn es heißt in seinem Werbespruch:
Kids love it! Athletes demand it“
Inhaltsstoffe Quench Gum Sportkaugummi.
Zuckeraustauschstoffe (Sorbit, Maltit, Maltitsirup) Kaumasse, Säuerungsmittel Zitronensäure, Verdickungsmittel (Gummi arabicum) Aromen, Säuerungsmittel Apfelsäure, Feuchthaltemittel Glycerin, Farbstoff (E171), Säureregulator (E451). Süßstoffe (Acesulfam K, Sucralose) Geschmacksverstärker Kaliumchlorid, Überzugmittel (Schellack, Carnaubawachs), Antioxidationsmittel (E321)


